Oekobilanz der Waermepumpe: Wie gut ist sie wirklich?

Kategorie: Umwelt & Nachhaltigkeit  |  Lesezeit: ca. 5 Minuten

Die ehrliche CO2-Rechnung

Gegner der Waermepumpe argumentieren gerne, dass sie keineswegs klimaneutral sei, weil der benoetigte Strom noch zu einem grossen Teil aus fossilen Quellen stammt. Dieses Argument verdient eine differenzierte Betrachtung. Denn auch wenn der Strommix noch nicht vollstaendig erneuerbar ist, ist die Waermepumpe in puncto CO2-Emissionen heute schon deutlich besser als Gasheizungen – und wird mit jedem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien noch gruener.

Die Berechnung ist simple: Entscheidend ist der sogenannte Emissionsfaktor des Stroms (CO2 je kWh Strom) sowie die Jahresarbeitszahl der Waermepumpe. Bei einem aktuellen deutschen Strommix-Emissionsfaktor von ca. 420 g CO2/kWh (Stand 2024) und einer Jahresarbeitszahl von 3,5 emittiert die Waermepumpe nur 120 g CO2 pro kWh Waerme. Eine moderne Gasheizung emittiert hingegen ca. 200 g CO2 pro kWh Waerme – also fast doppelt so viel.

Die Entwicklung des Strommixes

Entscheidend fuer die Langzeitbetrachtung ist, dass der Emissionsfaktor des deutschen Stroms stark sinkt. 2010 lag er noch bei ueber 600 g CO2/kWh. Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien auf 80 Prozent steigen, was den Emissionsfaktor auf unter 200 g CO2/kWh druecken wird. Bei einer JAZ von 3,5 ergaebe sich dann ein Wert von nur noch 57 g CO2/kWh Waerme – dreimal weniger als eine Gasheizung heute.

Wer heute eine Waermepumpe einbaut, investiert also nicht nur in eine heute schon sauberere Loesung, sondern in eine Technologie, die mit dem wachsenden erneuerbaren Stromangebot automatisch sauberer wird. Eine Gasheizung, die heute installiert wird, wird dagegen bis zu ihrer Abschreibung nach 20 Jahren konstant CO2 emittieren.

Klimatipp: Mit eigener PV-Anlage sinkt der Emissionsfaktor Ihres Stroms auf nahezu null. Eine Kombination aus Waermepumpe und PV-Anlage reduziert Ihre CO2-Emissionen fuer Heizung und Warmwasser um 80 bis 95 Prozent gegenueber einer fossilen Heizanlage.

Produktion und Recycling: Die Oekobilanz der Gesamtanlage

Kritiker weisen auf den Energieaufwand bei der Herstellung einer Waermepumpe hin, insbesondere auf die Gewinnung seltener Erden fuer Magnete in Kompressoren. Diese sogenannte graue Energie ist real, aber kontextualisierbar: Eine Waermepumpe amortisiert ihre Produktionsenergie – also die in ihrer Herstellung investierte Energie – je nach Anlage in 1 bis 3 Betriebsjahren.

Moderne Kaeltemittel wie R290 (Propan) sind zudem umweltfreundlicher als die aelteren HFKW-Verbindungen. Propan hat ein sehr geringes Treibhauspotenzial (GWP = 3 gegenueber GWP = 2088 bei R410A) und ist unbegrenzt verfuegbar. Die Industrie setzt zunehmend auf natuerliche Kaeltemittel, was die Oekobilanz der Waermepumpe weiter verbessert.

Zusammenfassung: Die Waermepumpe in der Klimabilanz

  • Heute: 40 bis 50 Prozent weniger CO2 als Gasheizung
  • 2030: voraussichtlich 70 bis 80 Prozent weniger CO2 durch grueneren Strommix
  • Mit PV-Anlage: bis zu 95 Prozent CO2-Reduktion moeglich
  • Amortisation der Produktionsenergie: 1 bis 3 Jahre