Wärmepumpe im Altbau: Geht das wirklich? Ein Praxisratgeber
Ein weit verbreitetes Vorurteil lautet: Wärmepumpen funktionieren nur in gut gedämmten Neubauten. Das stimmt so nicht mehr. Moderne Hochtemperaturwärmepumpen und ein durchdachtes Sanierungskonzept machen den Einsatz im Altbau in den meisten Fällen möglich – und wirtschaftlich sinnvoll. Entscheidend ist eine sorgfältige Planung.
Das eigentliche Problem: Die Vorlauftemperatur
Das zentrale Kriterium ist nicht das Alter des Gebäudes, sondern die benötigte Vorlauftemperatur des Heizsystems. Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen von 35 bis 45 Grad Celsius. Klassische Heizkörper in Altbauten sind für Vorlauftemperaturen von 70 bis 80 Grad ausgelegt. Je mehr die benötigte Vorlauftemperatur über 55 Grad liegt, desto stärker sinkt die Effizienz der Wärmepumpe.
Das Nachrüsten einer Wärmepumpe ist auch im Altbau meist problemlos möglich – wenn man Heizung und Dämmung als Gesamtsystem betrachtet und nicht isoliert plant.
Schrittweise Sanierung als Strategie
Nicht jeder kann oder möchte eine Vollsanierung auf einmal stemmen. Eine schrittweise Herangehensweise ist sinnvoll: Im ersten Schritt die wichtigsten Wärmeverluste beseitigen – Dach dämmen, Fenster tauschen, Heizungsleitungen isolieren. Im zweiten Schritt die Heizung modernisieren. Hochtemperaturwärmepumpen, die bis zu 75 Grad Vorlauftemperatur liefern können, überbrücken die Übergangszeit.
Hydraulischer Abgleich: Pflicht und Effizienzbooster
Ein hydraulischer Abgleich ist für die Wärmepumpenförderung gesetzlich vorgeschrieben und ohnehin der erste Schritt zu mehr Effizienz. Dabei wird sichergestellt, dass alle Heizkörper gleichmäßig durchströmt werden und die Anlage mit möglichst niedrigen Temperaturen arbeiten kann. In vielen Altbauten lässt sich allein durch den hydraulischen Abgleich der Energieverbrauch um 10 bis 20 Prozent senken.
Förderung für die Altbausanierung
Die staatliche Förderung gilt auch für den Altbau. Das KfW-Programm 458 fördert die Wärmepumpe mit bis zu 70 Prozent der Investitionskosten, unabhängig vom Baujahr des Gebäudes. Ergänzend dazu kann die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen für Dämmmaterialien, Fenster und Lüftungsanlagen beantragt werden. Eine Kombination beider Förderprogramme ist möglich.
Tipp für Altbaubesitzer
Lassen Sie vor der Investition eine geförderte Energieberatung durchführen. Der Energieberater berechnet die nötige Vorlauftemperatur, empfiehlt Dämmmaßnahmen und hilft bei der Wahl des richtigen Wärmepumpentyps.