Waermepumpe im Altbau: Geht das wirklich?

Kategorie: Sanierung & Modernisierung  |  Lesezeit: ca. 5 Minuten

 

Das Vorurteil und die Realitaet

‘Waermepumpen funktionieren nur im Neubau’ – dieses Vorurteil haelt sich hartnäckig, entspricht aber nicht mehr der Realitaet. Zugegeben: In einem Altbau aus den 1960er Jahren mit schlechter Daemmung und alten Radiatoren ist die Installation einer Standard-Waermepumpe tatsaechlich eine Herausforderung. Doch mit der richtigen Planung und den richtigen Massnahmen ist eine Waermepumpe auch im Bestandsgebaeude eine wirtschaftlich sinnvolle Loesung.

Der entscheidende Faktor ist die sogenannte Vorlauftemperatur. Je besser ein Gebaeude gedaemmt ist, desto niedriger kann die Vorlauftemperatur sein, und desto effizienter arbeitet die Waermepumpe. Im sanierten Altbau lassen sich Vorlauftemperaturen von 45 bis 55 Grad Celsius erreichen, fuer die moderne Waermepumpen ausgelegt sind.

Schritt fuer Schritt zur optimalen Loesung

Bevor eine Waermepumpe in einem Altbau eingebaut wird, sollte eine gruendliche Analyse des Gebaeudes stattfinden. Ein Energieberater erstellt dabei eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, die genau bestimmt, wie viel Heizleistung das Gebaeude bei Auslegungstemperatur benoetigt. Diese Berechnung ist die Grundlage fuer die richtige Dimensionierung der Waermepumpe.

Nicht selten stellt sich heraus, dass einfache Massnahmen bereits die Voraussetzungen fuer eine effiziente Waermepumpe schaffen: der Austausch alter Einrohrradiatoren gegen Niedertemperaturradiatoren, das Hinzufuegen einer Daemmung im Dachgeschoss oder das Optimieren der Heizkoerper durch eine Vergroesserung der Heizflaechen. In vielen Faellen ist auch eine Kombination aus Teilflaechenheizung und Radiatoren moeglich.

Planungstipp: Lassen Sie immer eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 erstellen. Eine zu gross dimensionierte Waermepumpe laeuft im Taktbetrieb und verliert erheblich an Effizienz. Eine zu kleine Anlage kann das Gebaeude nicht ausreichend heizen. Die richtige Dimensionierung ist entscheidend.

 

Hochtemperatur-Waermepumpen als Brueckentechnologie

Fuer Gebaeude, die ohne aufwaendige Sanierungsmassnahmen auf Vorlauftemperaturen ueber 60 Grad Celsius angewiesen sind, gibt es inzwischen sogenannte Hochtemperatur-Waermepumpen. Diese koennen Vorlauftemperaturen von bis zu 75 oder sogar 85 Grad Celsius erreichen und eignen sich damit auch fuer Gebaeude mit altem Radiatorensystem.

Allerdings arbeiten Hochtemperatur-Waermepumpen mit etwas geringeren JAZ-Werten als herkoemmliche Systeme. Dennoch sind sie gegenueber Gasheizungen in puncto Betriebskosten und CO2-Bilanz deutlich im Vorteil – besonders wenn der Strommix immer gruener wird.

Wirtschaftlichkeitsberechnung im Altbau

  • Typische Mehrkosten fuer Altbausanierung: 2.000 bis 8.000 Euro gegenueber Neubau
  • Foerderung deckt bis zu 70 Prozent der foerderfaehigen Gesamtkosten
  • Betriebskostenersparnis gegenueber Gasheizung: je nach Gaspreis 500 bis 2.000 Euro jaehrlich
  • Amortisationszeit nach Foerderung: typischerweise 8 bis 14 Jahre